Oliver Rottmann | Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge e. V.

1. August 2013

Rekommunalisierung in Zeiten der Energiewende – ein Modell mit Zukunft?

Im Rahmen dieser Studie wurden über 90 Stadtwerke sowie alle Kommunen in Deutschland mit einer Größe von mehr als 50.000 Einwohnern zu einer Befragung zum Thema „Stadtwerkefinanzierung im Fokus von Rekommunalisierung und Energiewende“ eingeladen. Das Ziel dieser Studie war es, einen Überblick der aktuellen Entwicklungen und Risiken des Energieversorgermarktes zu erhalten sowie abschätzen zu können, welche finanziellen und praktischen Herausforderungen damit einhergehen. Die Befragung wurde von Februar bis März 2013 durchgeführt und unterscheidet in ihrer Auswertung die Antworten der Stadtwerke von denen der Kommunen.

Im Ergebnis der Studie wird deutlich, dass das Thema Rekommunalisierung trotz angespannter Haushaltslage allgegenwärtig ist und vielschichtig diskutiert wird. Ob sich die derzeitigen punktuellen Rekommunalisierungsbeispiele tatsächlich zu einem flächendeckenden Phänomen entwickeln und sich hieraus ein klarer Trend ableiten lässt, bleibt jedoch noch abzuwarten.

Die Stadtwerke in Deutschland werden als dezentrale und regionale Akteure eine überaus wichtige Rolle im Rahmen der Energiewende spielen. Für die Unternehmensentwickler bedeutet dies vor allem die Vorbereitung auf ein großes Engagement im Bereich der erneuerbaren Energien (86,2 %).

Der Großteil der Stadtwerke schätzt dabei die finanziellen Herausforderungen als die bedeutendste Größe ein. Über 88 % der Befragten werten diese als „eher hoch“ bis „sehr hoch“. 61 % der befragten Stadtwerke möchten diesen Herausforderungen mit Mitteln des Banken- und Kapitalmarktes begegnen.

Ganz neu ist die Thematik jedoch nicht. Bereits in der Vergangenheit haben sich die Stadtwerke mit Rekommunalisierungen beschäftigt. In den letzten fünf Jahren haben 41 % der Befragten erfolgreich eine Rekommunalisierungsmaßnahme abgeschlossen. Die mit dieser Maßnahme verfolgten Ziele wurden dabei mehrheitlich erreicht (Zielerreichungsgrad 7,96 von 10).

Die Umsetzungsart der Rekommunalisierung variiert je nach Größenklasse des Stadtwerks und reicht u.a. von Anteilsrückkäufen (17 %) über interkommunale Kooperationen (17 %) bis hin zur  Rücknahme vergebener Konzessionen (74 %).

Auf Seiten der Kommunen geben 24 % an, in den letzten fünf Jahren eine Rekommunalisierung durchgeführt zu haben, sowohl über Anteilsrückkäufe als auch über die Rücknahme von Konzessionen.

26 % der Kommunen planen zudem fest mit einer Rekommunalisierungsmaßnahme in den nächsten fünf Jahren, wobei Kommunen mit kleineren Stadtwerken einem solchen Projekt offener gegenüber stehen als Kommunen mit mittleren und größeren Stadtwerken.

Die Mehrheit der Kommunen (55 %) ist bereit, die hierfür nötigen Investitionsaufwendungen der Stadtwerke zu unterstützen, z.B. durch die Bereitstellung von Finanzierungshilfen (62,9 %) oder Bürgschaften (29,4 %). Tendenziell können aber auch hier kleinere Stadtwerke eher mit Unterstützung durch ihren kommunalen Gesellschafter rechnen als die größeren.

Die Kommunen präferieren bei Rekommunalisierungsmaßnahmen eine Finanzierung über den Nebenhaushalt (54 %) oder über Banken bzw. den Kapitalmarkt (46,2 %).  Wichtige Punkte bei der Finanzierung sind für die Kommunen vor allem eine hohe Kalkulationssicherheit (59,3 %) und die Erhaltung der Schuldentragfähigkeit.

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Die vollständige Studie finden Sie hier zum Download.

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Neues Augusteum
Augusteumsplatz 10
04109 Leipzig

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