Soziale Aspekte in der Auftragsvergabe

fachbeitrag11-kleinFachbeitrag 11 zur Studie: „Die Beschaffungspraxis in Österreichs Kommunen unter Berücksichtigung des regionalen Faktors“

Der letzte Beitrag befasste sich mit dem zweiten Teil der Eignungskriterien „Befugnis“ und „berufliche Zuverlässigkeit“. Im heutigen Beitrag geht es um die sozialen Aspekte in der öffentlichen Auftragsvergabe.

Durch die Studie „Die Beschaffungspraxis in Österreichs Kommunen unter Berücksichtigung des regionalen Faktors“ wird die Thematik sozialer Aspekte in der Auftragsvergabe von über 100 Gemeinden in ganz Österreich untersucht. Dabei geht es unter anderem um die Frage, welche sozialen Anforderungen eine Gemeinde bei der Vergabe von Aufträgen als wichtig einschätzt. Dazu wird evaluiert, ob in der Vergabepraxis auf soziale Anforderungen geachtet wird oder ob bereits über gesetzliche Bestimmungen hinausgehende Sozialkriterien in der Vergabe öffentlicher Aufträge angewendet wurden.

Im Zuge der Frage, welche sozialen Anforderungen eine Gemeinde als wichtig einschätzt, waren Mehrfachnennungen möglich. Grundsätzlich gilt, dass alle nachgefragten sozialen Aspekte von hoher gesellschaftlicher Relevanz sind: Ziel der Frage nach der Einschätzung sozialer Anforderungen ist es jedoch, herauszufinden, welche Aspekte die größte Bedeutung für die befragten Gemeinden besitzen. Folgende acht Aspekte wurden durch diese Frage untersucht:

      1. „Auftragnehmer bildet Jugendliche aus“
        (d.h., dieses Merkmal behandelt die Thematik der Ausbildung von Jugendlichen);
      2. „Auftragnehmer beschäftigt Langzeitarbeitslose“
        (d.h., dieses Merkmal betrifft die Thematik der Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt);
      3. „Auftragnehmer beschäftigt Menschen mit Behinderung“
        (d.h., dieses Merkmal behandelt die Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt);
      4. „Auftragnehmer hat ein CSR-System“
        (d.h., dieses Merkmal untersucht, ob ein Corporate Social Responsibility System (CSR-System) des Auftragnehmers für eine Gemeinde von Relevanz ist): Der Begriff „CSR“ definiert unternehmerische Verantwortung für die Gesellschaft und umschreibt den freiwilligen Unternehmensbeitrag zur nachhaltigen Entwicklung, die meist über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehen;
      5. „Auftragnehmer setzt sich für Gleichstellung von Frauen und Männern ein“
        (d.h., dieses Merkmal behandelt die Gleichstellung der Geschlechter in rechtlicher Hinsicht und im Hinblick auf gesellschaftliche Chancengleichheit (= persönliches und berufliches Entfaltungspotential);
      6. „Produkt wurde ethisch bzw. fair gehandelt“;
      7. „Keine Kinderarbeit bei der Herstellung des Produktes“;
      8. „Auftragnehmer ist ein kleines oder mittleres Unternehmen (KMU)“

Im nächsten Beitrag wird die Thematik „Public Private Partnerships (PPP)“ im Zuge der Gemeindebefragung behandelt.